Newsletter 01/2020

Von vielen Erfolgen und der ersten Krise

Über 30 Monate Tiny-House-Kultur, da wird es höchste Zeit mal wieder eine Zwischenbilanz zu ziehen. Wie komplex unser Tiny-House-Projekt ist, zeigt sich im Laufe der Projektentwicklung immer deutlicher: Gruppendynamik, interne und externe Kommunikation, Grundstückssuche, Bauplanung und -ordnung, Finanzkonzept … Die Anforderungen sind groß und manchmal hat man das Gefühl es geht eher rückwärts als vorwärts.

Ein Bereich in dem es gut läuft, ist die Öffentlichkeitsarbeit. Wir haben viel Zeit und Arbeit investiert – das Engagement hat sich gelohnt: Das Tiny-House-Kultur-Projekt ist nach außen präsent und im Gespräch. Wir geben Interviews, sind regelmäßig in der Presse und waren auch schon im Regionalfernsehen bei bunten&binnen zu sehen. Wir bekommen Anfragen auf öffentlichen Veranstaltungen unser Projekt vorzustellen, halten Vorträge und unser Netzwerk wächst stetig. Wir stehen in engem Kontakt mit der Bremer Politik und erhalten konkrete Unterstützung aus dem Amt für Klimaschutz PuTTY , Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau. Viele Tiny-House-Begeisterte schreiben uns an, wollen mitmachen oder bieten ihre Hilfe an. Das große öffentliche Interesse und die positive Resonanz auf unser Vorhaben motiviert uns weiterzumachen und wir sind stolz auf das Geschaffte. Das letzte Quartal 2019 war turbulent und es gab einige Highlights.


Wohne klein, lebe groß! Tiny Living in Bremen …

… so lautete der Titel eines Vortrags, den Tiny-House-Kultur im Rahmen einer Veranstaltungsreihe der Hochschule Bremen mit dem Titel „Wie wollen wir in Zukunft wohnen, arbeiten, leben?“ im November 2019 gehalten hat. Eingeladen waren Studierende der HSB und die interessierte Öffentlichkeit.

Gemeinsam mit Celina Hoffmann vom Kooperationsprojekt team-work-tiny-house führte Andrea Birr die Zuhörerschaft in die Welt des Downsizings ein. Der Vortrag zeigte Beispiele von unterschiedlichen Tiny-House-Modellen, sowie die ökologischen, gestalterischen und sozialen Gesichtspunkte von Tiny Living. Wen spricht diese Lebensweise an und wie lassen sich die Ideen umsetzen? Diese und andere spannende Fragen wurden an dem Abend beleuchtet und diskutiert.

Am Schluss gabs noch ein Interview mit dem Weserkurier:

https://www.weser-kurier.de/bremen/stadtteile/stadtteile-bremen-mitte_artikel,-projekt-will-standort-fuer-tiny-houses-in-bremen-etablieren-_arid,1876162.html#nfy-reload


 

Wohnen auf kleinem Fuß – Tiny Houses bald auch in Bremen?


Mit Unterstützung einiger engagierter Vertreter aus der Bremer Politik und Verwaltung haben wir im Spätsommer 2019 eine „Kleine Anfrage an den Senat“ formuliert. Im November wurde die Anfrage schließlich eingereicht und im Dezember folgte die Antwort des Senats.

Ziel war es, eine möglichst verbindliche Antworten der Stadt Bremen auf Fragen zur Realisierung einer Tiny-House-Siedlung zu bekommen.

Welche Chancen sieht der Senat, eine Tiny-House-Kleinstsiedlung in Bremen zu verwirklichen und plant der Senat Maßnahmen zur Umsetzung?
Welche rechtlichen Rahmenbedingungen gelten bzw. müssten geschaffen werden, um ein derartiges Projekt zu realisieren?
Hält der Senat es für sinnvoll, eine Fläche für experimentelles Wohnen zu schaffen?

Die komplette Anfrage und was der Senat darauf antwortet, kann man hier lesen:

https://www.bremische-buergerschaft.de/drs_abo/2019-12-18_Drs-20-106%20S_28380.pdf

Unser Eindruck: Grundsätzlich eine positive Resonanz, der Senat zeigt sich offen für eine Tiny-House-Siedlung in Bremen, eine konkrete Entscheidung für eine Umsetzung wird aber vertagt.

Und das schreibt der Weserkurier dazu:

https://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadt_artikel 615-544-6610 ,-bremen-zeigt-sich-offen-fuer-minihaeuser-_arid,1884690.html


 

Wie geht man mit Krisen um?

Ein Bereich in dem es immer wieder mal kriseln kann, ist der Gruppenprozess. Meinungsverschiedenheiten gehören dazu und gerade aus unterschiedlichen Meinungen können kreative Ideen entstehen. Dabei sind Vertrauen, Konfliktbereitschaft und Teamgeist wichtige Voraussetzungen für das Gelingen von Gemeinschaftsprojekten.

Im Mai 2017 sind wir voller Euphorie und Enthusiasmus in die Gruppenphase gestartet. Auf Basis unseres Konzeptes wollten wir gemeinsam mit einer Gruppe von gleichgesinnten Erwachsenen an der Realisierung einer Tiny House Siedlung in Bremen arbeiten. Dabei sind wir davon ausgegangen, dass …

… wir ein handlungsfähiges Team bilden, welches an einem gemeinsamen Ziel arbeitet.
… sich alle Beteiligten zur gemeinsamen Sache bekennen.
… Vertrauen untereinander und in die gemeinsame Entwicklung herrscht.
… Offenheit und Verbindlichkeit die Basis des Miteinanders sind.
… alle Gruppenmitglieder sich gleichermaßen engagieren und zum Ergebnis beitragen.
… der Fokus auf dem gemeinsamen Ziel liegt und nicht auf Einzelanliegen.
… die Gruppe mehr ist, als die Summe ihrer Einzelteile.

Und wo stehen wir als Gruppe aktuell nach 30 Monaten Projektentwicklung?

An einer Stelle, an der wohl fast alle Gruppen einmal stehen: Nach der anfänglichen Euphorie und Freude folgt die Ernüchterung und Enttäuschung. Das Gefühl von Ungleichgewicht macht sich breit, aufgestauter Frust kommt raus und Fragen über die Handlungsfähigkeit der Gruppe tauchen auf. Persönliche- und Sachthemen vermischen und überlagern sich und man steckt irgendwie in einer Gruppen-Sackgasse fest.

Alles ganz normal im Gruppenprozess? Ist das der notwendige Übergang von der Wunschvorstellung hin zur realen Beurteilung? Wir wissen es noch nicht. Eine professionelle Begleitung soll bei der Klärung helfen.


 

Und sonst?

Besonders positiv ist, dass uns Falk Wagner von der SPD aktuell unterstützt. Durch seinen Support bekommt unser Projekt nochmal Aufwind und es gibt einige interessante Optionen die wir ausloten werden.

Ein dickes Dankeschön an alle, die uns unterstützen!

 

Liebe Grüße von Andrea & Mark