Newsletter 09/2019

THK AUF TOUREN!

Im Hochsommer ging’s auf Tour zu Gemeinschaftsprojekten und zum Tiny Living Festival. Wer und was uns auf unserer Tour begegnet ist und was es sonst Neues gibt, erfahrt ihr hier.

SCHAALSEE: Zu Besuch bei Wir-bauen-Zukunft

„Wir bauen unsere Welt, wie sie uns gefällt“, so lautet ein Leitsatz des Zukunftsprojekts. Vor gut drei Jahren kaufte eine Gruppe motivierter Leute einen ehemaligen, ca.10 ha großen Natur- und Technologiepark. Vier Jahre lag der Park im Dornröschenschlaf bevor die Macher ihn mit neuen Ideen zum Leben erweckten.

Das Wir-bauen-Zukunft-Projekt sagt über sich: „Wir sind eine Gemeinschaft von Menschen, Organisationen und Macher*innen mit unterschiedlichen Fähigkeiten, Leidenschaften und Visionen. Mensch, Natur und Technologie in Balance: Auf 100.000 m² erforschen wir prototypisch, wie eine positive und enkeltaugliche Zukunft aussehen kann.“

Das wollten wir uns einmal persönlich anschauen. Der Park liegt in Nieklitz, in der direkten Umgebung des Biosphärenreservats Schaalsee. Herzlich empfangen wurden wir von Aurèle Haupt, Fachmann für energieeffizientes und nachhaltiges Bauen und Mitinitiator des Projekts. Aurèle zeigte uns die verschiedenen, interessanten Gebäude, darunter ein 1.000 m² großes Wabenhaus und erklärte uns das Konzept. Die vorhandene Infrastruktur wird nach und nach mit neuen Nutzungsschwerpunkten wiederbelebt, so bietet zum Beispiel das Wabenhaus Seminarräume mit kreativen Übernachtungsmöglichkeiten und Café. Auch Tiny Houses für Gäste sind in den nächsten Jahren geplant und der Bau eines Earthships.

Unser Fazit: Das Wir-bauen Zukunft Projekt ist eine Inspirationsquelle zur Entwicklung neuer Ideen. Es ist ein Ort, der die Fantasie beflügelt: Ein wunderschöner botanischer Garten, tolle Menschen und ein konstruktiver und sehr offener Austausch, den wir gerne fortsetzen möchten.

Hier geht’s zur Website:

  • https://wirbauenzukunft.de/

THEDINGHAUSEN: Lehmputzwochenende auf dem Holunderhof

Dirk Großmann, Diplom-Ingenieur und absoluter Profi in Sachen Strohbau, hat schon an dutzenden strohgedämmten Gebäuden mitgewirkt. Mit der BauStroh GmbH ist er angetreten, die nachhaltige Strohbauweise in Deutschland weiter zu entwickeln und zu fördern.

Im Mai hatte Dirk für die Gemeinschaft des Holunderhofs in Thedinghausen ein Strohbau-Praxis-Mitmach-Seminar zum Bau ihres Gäste- und Vereinshauses vorbereitet und geleitet. Im August fand dann ein zweiter (dieses Mal kostenfreier) Workshop zum Verputzen der Strohballenwände mit Lehm statt. Für die Tiny-House-Kultur-Gruppe eine einmalige Gelegenheit sich mal ein Strohhaus genauer anzusehen, Bekanntschaft mit dem Material Lehm zu schließen und unter professioneller Anleitung gemeinschaftliche Bauerfahrungen zu sammeln. Denn die Strohbauweise könnte auch für unser geplantes Gemeinschaftshaus interessant sein.

Der Holunderhof ist seit 1992 ein gemeinnütziger Verein. Aktuell leben auf dem Hof 12 Leute, im Alter von zwei bis Anfang 50 Jahren und es entsteht gerade viel Neues: Atelierräume, Gemeinschaftsgärten und die Fertigstellung des Gemeinschaftshauses stehen zur Zeit an. Aber auch die Pflege und der Erhalt der vorhandenen Gebäude und die Imkerei sind der Hofgemeinschaft wichtig.

Gespannt und motiviert trafen wir am 23. August zu sechst auf dem Holunderhof ein. Das Wetter war fantastisch und die junge Hofgemeinschaft empfing uns mit offenen Armen. Nach einem super netten und leckeren Grill- und Einstimmungsabend ging’s am nächsten Morgen an die mit Lehm zu verputzenden Strohballenwände. Es folgten zwei Tage voller neuer Erfahrungen, mit Höhen und Tiefen (nicht nur an den Wänden) und mit unzähligen verarbeiteten Lehmputz-Mischungen.

Catrin:

„Wir haben 2 Tage Lehmputz ausprobiert. Das Material ist ja so unglaublich geduldig – whow! Wenn etwas nicht stimmt oder krumm geworden ist, kann man eigentlich jederzeit nachbessern, wieder nass machen und verändern. Das ist ja völlig anders als bei Materialien, die abbinden. Das hat mich eigentlich am meisten beeindruckt. Ich finde man kommt mit dem Lehm so schön in Tuchfühlung. Es hat mir riesig viel Spaß gemacht.“

Maren:

„Das Arbeiten mit Lehmputz hat mich sehr an meine Töpfer-Erfahrungen mit Ton erinnert. Ein tolles Material, das die Sinne und Kreativität anregt. Das Erleben und Arbeiten in größerer Gemeinschaft macht viel mehr Freude als das alleine Vorsichhinmuddeln und macht Lust auf mehr!“

Andrea:

„Die Atmosphäre und das gemeinsame Werkeln auf dem Holunderhof waren super. Dank Dirk, der sein Wissen über die Arbeitsweise mit Lehm sehr anschaulich rübergebracht hat, konnte ich auch als absoluter Neuling meinen Lehmputz-Beitrag leisten. Ich bin total begeistert von dem Synergie-Effekt dieser Arbeitsmethode. Man stellt seine Arbeitskraft kostenlos zur Verfügung und erhält dafür Wissen, persönliche Bereicherung und obendrauf gab’s noch köstlichen Pflaumenkuchen. Da profitieren alle Seiten und es funktioniert ganz ohne Geld!“

 

Wer mehr wissen will, kann hier schauen:

• http://baustroh.de/extra/seminare.html

• http://www.holunderhof-ev.de/

WENDLAND: Tiny Living Festival

Wie wohnen wir zukünftig? Wie können wir den Ansprüchen der Menschen und der Umwelt gerecht werden? Welche Entwicklungen und welche Technik gibt es?

Das Tiny Living Festival zeigte vom 30. August bis 1. September aktuelle Entwicklungen und Ideen für einen nachhaltigen und reduzierten Lebensstil. Zusammenkommen, sich austauschen, voneinander lernen und Spaß haben – das waren die Leitsätze des Festivals. Es gab Workshops und Barcamps, technische Innovationen und Tiny Houses zum Anfassen.

Mark:
„Erst wenn du dich bewegst, kannst du deine Fesseln spüren“

Diesen Satz hörte ich das erste Mal auf dem Tiny Living Festival im Wendtland. Dieser Satz hat mich deshalb so berührt, weil ich genau diese Fesseln in unserem eigenen Projekt bereits gespürt habe. Fesseln als Bauordnungen, die nicht zu Tiny Houses passen, Bekannte die einen dafür belächeln wenn man erzählt, dass man sich reduzieren möchte und der ganze intensive Gruppenprozess um solch ein Projekt auf den Weg zu bringen.

Aber das nur nebenbei, zurück zum Tiny Living Festival. Was mich besonders beeindruckt hat, war die Tatsache, dass es nicht in erster Linie um Tiny Houses ging, sondern um die Idee des „Tiny Living“. So fanden sich dann beeindruckende Präsentationen eines „Biogas Rucksackes“, der „P-Bank“ (ein Projekt der TU-Weimar), eine Tiny House Sauna und viele weitere Präsentationen rund ums kleine Leben. Alles war sehr professionell aufgezogen und die meisten Vorträge und Diskussionen waren intensiv und in ihren Themenbereichen tiefgehend. Alles in allem, eine tolle und inspirierende Veranstaltung die für das nächste Jahr wieder fest eingeplant ist!

Catrin:
„Beim Tiny Living Festival waren Themen vertreten, mit denen wir uns alle beschäftigen, wie Hausgröße, Räder oder nicht und so weiter … das war natürlich klasse. Und dann waren da noch die speziellen Blickwinkel und Diskussionen mit näherem Blick, z. B. was das Verlassen der bisherigen Wohnumgebung bedeutet, oder Randthemen wie Biogaserzeugung für den Hausgebrauch (bisher eher in Afrika). Durch solche experimentellen Ansätze war es für mich eine schöne Pionierstimmung. Jeder hat mit jedem geredet und sinniert. Selbst unter der Dusche gingen die Gespräche weiter. Ich fand es super schön und intensiv.“

WAS GIBT’S SONST NEUES?

Was zum Gucken: buten un binnen-Dreh im KgV Union
Dag Befeld, Redakteur bei buten un binnen, meldete sich Anfang August mit einer Anfrage, es ging um einen geplanten Beitrag zum Thema Tiny Houses. Bei seiner Internetrecherche stieß er auf unsere Homepage. Nach einem Telefonat, in dem wir ihn über den aktuellen Projektstatus informierten, verabredeten wir uns beim KgV Union um vor Ort ein paar Interview-Szenen zu drehen. Da der KgV Union nach wie vor daran interessiert ist, uns als belebende Initiative für eine brachliegende Kleingartenflächen zu gewinnen, stimmte der Vorstand dem Dreh zu und half sogar bei den Vorbereitungen.

Fast zwei Stunden dauerten die verschiedenen Einstellungen und Interviews. Zum Schluss des Drehs stapften wir noch über das mit Brombeeren zugewucherte Gelände und träumten von unserer kleinen Tiny House Siedlung. Ergänzt wurde der Bericht durch den Beitrag eines Tiny House Besitzers, der in sein Haus einlädt und von den Schwierigkeiten berichtet, einen genehmigten Stellplatz in Bremen zu finden. Was aus zwei Stunden vor Ort am Ende übrig bleibt, das kann man sich hier in 3 Minuten Länge anschauen:

• https://www.butenunbinnen.de/nachrichten/gesellschaft/tiny-houses-bremen-100.html

Was zum hören: 10. Ringvorlesung der Hochschule Bremen „Facetten der Nachhaltigkeit“
Im Rahmen einer Veranstaltungsreihe der Hochschule Bremen mit dem Titel „Wie wollen wir in Zukunft wohnen, arbeiten, leben?“ sind wir eingeladen einen Vortrag über unser Projekt zu halten, mit besonderem Fokus auf die Ideen des nachhaltigen Wohnens, der Ressourcen-Teilung und des Downsizings. Eingeladen sind Studierende der Hochschule Bremen sowie die interessierte Öffentlichkeit.
Wann: Mittwoch, 13.11.2019, 17:30 Uhr
Wo wird noch bekannt gegeben


Was zum Lesen: Kleiner Wohnen
Gerade erschienen ist das Magazin „Kleiner Wohnen“, es beschäftigt sich mit Tiny Houses, Modulbauten und Baumhäusern. Gezeigt werden zahlreiche Beispiele von mobilen und immobilen Kleinsthäusern und Hersteller. Behandelt werden wichtige Aspekte des Wohnens und Arbeitens auf kleinen Flächen. Fragen rund ums kleine Wohnen werden diskutiert, Chancen aufgezeigt und kritische Punkte benannt.

Das Heftet kostet 8,90 Euro zzgl. 1,55 Euro Versandkosten.

• https://shop.verlagsprojekte.de

ES BEWEGT SICH EIN BISSCHEN WAS

 

Auf dem Tiny Living Festival wurde eines klar. Viele Initiativen in ganz Deutschland stehen in den Startlöchern, um das Leben und Wohnen in Tiny House Gemeinschaften zu realisieren. Was fehlt, sind die rechtlichen Rahmenbedingungen für diese Pionier-Wohnform. Die Suche nach dem geeigneten Grundstück ist eins der größten Probleme, denn kaum eine Kommune ist auf die Anforderungen von Kleinstwohngebäuden eingestellt. Vor dieser Herausforderung steht auch das Tiny-House-Kultur-Projekt in Bremen. Von politischer Seite gibt es viele positive Signale und wir erhalten Unterstütung aus dem Bauressort. Aber ist das Land Bremen auch mutig genug ein Leuchtturmprojekt tatsächlich zu wagen? Dieser Frage muss unsere Stadt sich stellen. Frei nach dem Bremer Motto: Buten un binnen – wagen un winnen!

 

Daher die Bitte an alle Interessierte:

hört Euch doch bitte einmal bei Freunden und Bekannten um, ob es auch für ein kleineres Tiny House Projekt (ca.1000m²) die Möglichkeit gibt ein Gelände zu kaufen oder zu pachten. Dies kann in Bremen oder im nahen Umland von Bremen sein. Manchmal gibt es Eigentümer, Bauern u.ä. die einfach nicht ihr gesamtes Land benötigen.

 

In diesem Sinne, machts Euch gemütlich!

Liebe Grüße von Andrea & Mark